Dienstag, 10 März 2020 17:15

Alamierende Ausfälle bei der Bachforelle Empfehlung

Die Bachforelle ist zwar der Fisch des Jahres, der am häufigsten in Österreich vorkommt, doch die Ausfälle sind alarmierend.

Fischereiexperte Wolfgang Honsig-Erlenburg sagte, vor 15 bis 20 Jahren habe es 200 Kilogramm Bachforellen pro Hektar gegeben. Jetzt seien es nur mehr 20 bis 50 Kilogramm pro Hektar in vielen Gewässern: „Wenn man die neuesten Untersuchungen anschaut ist in nur mehr zwei Fünftel dieser Fließgewässern natürlich vorhanden. Das heißt, sie vermehrt sich hier natürlich. In drei Fünftel sind die Bestände schon sehr stark reduziert.“

Diese Zahlen betreffen ganz Österreich. In Kärnten ist die Lage etwas besser, da die Lebensräume der Bachforellen in den Oberläufen der Gewässer meist noch naturnah sind. Laut Honsig-Erlenburg sei aber auch dort der Bestand zurückgegangen.

Hormone im Wasser setzen Fischen zu

Die Ursachen für die starken Rückgänge sind vielfältig. Früher machte die Wasserverschmutzung den Bachforellen zu schaffen, heute werde durch Kläranlagen sehr viel reduziert. „Es gibt aber noch Probleme, zum Beispiel, wenn Hormone ungeklärt in das Wasser kommen. Kläranlagen können sie nicht filtern.“ Eine Studie aus der Schweiz würde belegen, dass dort Bachforellen „verweiblichen“, so Honsig Erlenburg: „Es kommen kaum mehr Männchen nach und die natürliche Reproduktion wird beeinträchtigt.“

Lebensraum für Bachforellen geht zurück

Mikroplastik stellt für die Bachforelle ebenfalls eine Gefahr dar. Ein weit größeres Problem ist aber der Lebensraumverlust, der bereits nach dem Zweiten Weltkrieg massiv einsetzte: Es wurden nämlich viele Fließgewässer verbaut, vor allem aber reguliert und begradigt. Der Uferbewuchs wurde damals ebenfalls entfernt.

„Auch die Energiewirtschaft hat ihren Teil dazu beigetragen: Es kam zu Querbauwerken, die Fische konnten nicht mehr wandern, obwohl das heute auch wieder kompensiert wird, durch Fischaufstiegshilfen. Dann wurden aber Gewässer auch abgeleitet – zum Beispiel im Mölltal. Dort ist der Lebensraum der Bachforelle gravierend zurückgegangen“, so der Experte.

Fischotter als natürlicher Feind

Wie schon oft diskutiert, stellt auch der Fischotter eine Bedrohung für den Bestand der Bachforellen dar, so Wolfgang Honsig-Erlenburg: „Gerade dort, wo man glaubt, dass der Forellenbestand gut sein müsste, weil die Gewässer noch vollkommen intakt und unverbaut sind, sieht man, dass der Fischotter sehr starke Schäden hervorruft. Gerade im oberen Görtschitz- oder Liesertal sind die Bestände nur mehr knapp bei fünf Kilogramm pro Hektar.“

Doch auch hier hat man bereits vor zwei Jahre eine Maßnahme ergriffen, nämlich die Fischotter-Verordnung. Dadurch könne zwischen zehn und zwölf Prozent des Bestandes entnommen werden. „Pro Jahr sind es 43 Stück, wobei auch das Fallwild dazu kommen. Viele von ihnen werden ja auch auf der Straße zusammengeführt. Das Betrifft die Hälfte, die freigegeben wurde.“

Zu warmes Wasser lässt Parasiten wachsen

Der Klimawandel betreffe die größte Herausforderung für die Zukunft: „Die Klimaerwärmung spielt bei der Bachforelle eine ganz entscheidende Rolle, weil sie eine in der Kälte lebende Fischart ist. Sie lebt in den oberen Fischregionen im kalten Wasser. Wenn sich das Wasser immer mehr erwärmt müssen sie sich fluss- bzw. bachaufwärts zurückziehen.“

Unter 15 Grad Celsius beträgt die optimale Wassertemperatur für die Bachforellen. Temperaturen darüber können über kurz oder lang tödlich sein. Damit gehe eine neu festgestellte Erkrankung der Tiere einher, die sogenannte proliferative Nierenerkrankung: „Sie wird durch einen Parasiten, eine Art Nesseltier, hervorgerufen. Die Sporen befallen die Bachforelle als Wirt und rufen eine Nierenerkrankung hervor. Davon werden sie dann schwarz und sterben ab.“ Die Sporen können sich ab Wassertemperaturen von fünfzehn Grad vermehren.

Tiere ziehen immer mehr in Gebirgsregionen

Von der Universität für Bodenkultur Wien gibt es zu diesem Thema eine Studie, die besagt, dass sich die Bachforellenregion immer mehr bachaufwärts verschieben werde. Laut Honsig-Erlenburgen werden sich die Tiere in Gebirgsregionen zurückziehen. „Wenn dort Sperren durch Kraftwerke oder die Wildbachverbauung errichtet sind können sie nicht hinauf wandern. Deswegen ist es wichtig, dass das Fließgewässerkontinuum, also die Durchgängigkeit, erreicht wird.“

Bachforelle hat es gerne geschützt

Die Bachforelle braucht neben tieferen Wassertemperaturen, ein Fließgewässer, aber auch gute Unterstände. Beispielsweise wachsen die Wurzeln der Erle in das Gewässer hinein, das ist eine gute Versteckmöglichkeit für sie. Für die Tiere problematisch sei, wenn Landwirte die Äcker bis zum Bachbett bepflügen und den Uferbewuchs entfernen.

Für die Bachforellen sind die schützenden Bäume ein lebenswichtiger Faktor, da sie Schatten spenden und so die Wassertemperatur gesenkt wird. Außerdem locken Gehölze Nahrung an. „Dort leben viele Insekten, die ins Gewässer fallen und der Bachforelle als Anflugnahrung dienen.“

Urforelle nur mehr vereinzelt zu finden

In Österreich ist die donaustämmige Bachforelle heimisch. In Europa gibt es noch die atlantische, die mediterrane und die adriatische Bachforelle, aber auch die Mamorata in der Soca in Slowenien: „Die Donaustämmige wurde durch Besatzmaßnahmen seit den 1970er Jahren massiv reduziert. Vor allem durch atlantische Stämme haben sich die Populationen stark vermischt.“

Die Urforelle ist in Kärnten nur mehr in ganz wenigen Gebieten zu finden, zum Beispiel im oberen Görtschitztal, in kleinen Zubringern zur Görtschitz oder in der Oberen Gurk bzw. in Seitenbächen zur Lieser oder im Nationalpark Hohe Tauern. Die Bachforelle hat von Mitte September bis April Schonzeit und darf nicht befischt werden.

Quelle. ORF Kärnten