Mittwoch, 26 Juni 2019 18:10

Barben: Vagabunden in Kärntner Gewässern

Die Barbe zählt zu den bedrohten Fischen und kommt vor allem in Mittel- und Unterkärnten vor. Je nach Wassertemperatur laichen die Barben zwischen Mai und Juli. Sie legen dabei bis zu 200 Kilometer zurück und führen überhaupt ein eher „unstetes“ Leben.

In Kärnten befinden sich die Laichplätze der Barbe vor allem am Schotterboden in der Rosegger Schleife in der Drau; auch an der Unteren Gurk, Glan und Lavant. In den Unterläufen der Flüssen suchen sie vorwiegend kiesige Unterschlüpfe auf, die auch „Barben-Region“ genannt werden.

Fischereiexperte Wolfgang Honsig-Erlenburg: „An diesen Plätzen laichen sie dann ab. Es ist ein besonders Schauspiel. Das Weibchen legt die Eier ab und das Männchen gibt dann die Milch, den Samen, dazu. Es lauern im Hintergrund noch weitere Männchen. Man zählte bis zu 130 Stück, die auch ihre Gene abgeben möchten. Die Eier werden dann mit de Strömung in die Lückenräume des Schotters getrieben und entwickeln sich dort. Innerhalb von zwei Wochen zirka schlüpfen dann die Jungen.“

Dottersack als Nahrungs-„Starterpaket“
Zu Beginn hat der Jungfisch einen Dottersack, von dem er sich einige Tage ernährt. Erst dann beginnt er zu fressen, so Honsig-Erlenburg. Barben seien sehr „bodenorientiert“ und würden kleine Tierchen, wie Insekten, Larven, Muscheln oder Krebse, fressen. Manchmal würden sie auch Algen und Pflanzen aufnehmen. „Wenn sie größer sind, können sie auch Fischlaich von anderen Fischen fressen.“

Langsame Entwicklung
Im ersten Jahr entwickeln sich die Jungfische nur sehr langsam. Sie wachsen nur zirka sieben Zentimeter und sehen ein wenig anders aus als die ausgewachsenen Barben. Barben zählen zu den karpfenartigen Fischen, erklärt Honsig-Erlenburg: „Das Typische ist – wie der Name schon sagt der Bart, auf Lateinisch ‚barba‘. Sie haben zwei lange Barstücke an der Oberlippe – einen im Mundwinkel, eines weiter draußen. Die Lippe ist ganz fleischartig ausgebildet. Das Maul ist unterständig. Sie haben so eine Art Schnauze ausgebildet".

Unstetes leben während der Laichzeit
Wenn der Fisch schlüpft, ist er auf sich selbst gestellt, die Eltern betreiben keine Brutpflege. Allerdings sind die Barben nie alleine, sondern immer in Schwärmen unterwegs, sagt der Experte: „Ein Schwarm schützt vor Fressfeinden. Einer merkt das und zack – schon sind sie weg. Die giftigen Eier haben auch einen Sinn, weil andere Fische fressen gerne Fischlaich. So schützen sie sich von der Kinderstube an.“

Man weiß ebenfalls, dass Barben grundsätzlich sehr oft den Ort wechseln. Zehn Kilometer pro Tag können sie „wandern“, um ideale Überlebensbedingungen und genügend Futter vorzufinden. Außerdem sind Barben in der Lage, während der Laichzeit Wanderungen bis zu 200 Kilometer zu unternehmen.

Zunehmende Verbauung setzt Barbe zu
Die zunehmende Verbauung bedrohe seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts die Tiere. Einerseits wurden Hochwasserschutzeinrichtungen errichtet, anderseits wurde die Energiegewinnung durch Wasserkraft in Form von Staukraftwerken vorangetrieben. Da die Flüsse durch Aufstauungen unterbrochen sind, gibt es Probleme für die Fische zu ihren Laichplätzen zu kommen. Weil Wehranlagen gebaut wurden, konnten zum Beispiel aus der Gegend von Marburg in Slowenien nicht mehr so viele Barben nach Kärnten gelangen wie in der Zeit davor, sagt der Fischereiexperte.

„Die Barbe braucht rasch fließendes Wasser mit grobkörnigem Material, wo sie ablaichen kann. Wenn das Wasser aufgestaut wird, entwickelt sich dort nur mehr feines Material, also Schlamm. Dort können sich die Tiere nicht mehr selbstständig vermehren“, so Honsig-Erlenburg. Querbauwerke wie Wehranlagen würden ebenfalls verhindern, dass die Fische zu anderen Laichplätzen oder Nebengewässern schwimmen. Durch diese Einflussfaktoren sei die Barbe nicht nur in Kärnten, sondern europaweit sehr stark zurückgegangen.

Fischaufstiegshilfen und Revitalisierungsmaßnahmen würden dem Entgegenwirken, so Honsig-Erlenburg: „Ein schönes Beispiel ist die Untere Lavant, wo man neue Flussbetten geschaffen und Querbauwerke beseitigt hat.“ Dort merke man, dass die Barben wieder nachkommen.

Untere Lavant: Maßnahmen greifen
Die Fischaufstiegshilfen alleine wären zu wenig, da die Barben Schwarmfische sind und kleine Fischaufstiegshilfen nicht gerne annehmen. Ein großzügiges Umgehungsgerinne mit viel Wasser oder eine Rampe werde lieber angenommen. Auch im Schwarm steigen die Barben dort auf. Dabei zeigt sich, dass sich Tiere nach einer gewissen Zeit den Bedingungen doch anpassen können, meinte Honsig-Erlenburg. Es dauere bei den Tieren länger, aber wenn es keine andere Möglichkeit gebe, nehmen die Fische, was geboten werde.

Nur Kenner essen Barben
Früher war die Barbe ein beliebter Speisefisch, sie erreicht ein GEwicht bis neuen Kilo. Heutzutage wird sie bei uns nicht mehr oft gegessen, im Handel gebe es keinen mehr, nur die Fischer essen ihn noch, so Honsig-Erlenburg. Doch Fischeier und das Bauchfleisch sind giftig und können Magen-Darm-Beschwerden hervorrufen, man muss sich also gut auskennen.

Quelle: ORF Kärnten

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